Introduction

Blaumeisen kämpfen mit Bakterium

Die Menschheit kämpft mit Corona, die Tierwelt mit dem Bakterium Suttonella ornithocola. Naturschützer, wie AVES-Ostkantone weisen auf ein vermehrtes Sterben von Blaumeisen hin und bitten die Bevölkerung um Wachsamkeit und Mitarbeit. In Ostbelgien gab es ebenfalls es erste Verdachtsfälle.

Blaumeisen kämpfen mit Bakterium

Die Menschheit kämpft mit Corona, die Tierwelt mit dem Bakterium Suttonella ornithocola. Naturschützer, wie AVES-Ostkantone weisen auf ein vermehrtes Sterben von Blaumeisen hin und bitten die Bevölkerung um Wachsamkeit und Mitarbeit. In Ostbelgien gab es ebenfalls es erste Verdachtsfälle.

2019-04-28_Die_Vogelwelt_des_Fruehjahres_-_Blaumeise_-_G_Reuter
Die Vogelwelt des Frühjahres - Blaumeise - G.Reuter

Die betroffenen Vögel werden meist in der Nähe von Futterstellen in Gärten beobachtet und fallen durch ihr apathisches Verhalten auf. Typisch ist auch ein schleimiger Ausfluss, der zunächst aus dem Schnabel und den Augen austritt. Insgesamt sehen die Tiere zerrupft und aufgeplustert aus. Auch unternehmen sie keinerlei Fluchtversuch, wenn Menschen sich näher.

In den letzten zwei Wochen wurden beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) 13.800 tote und kranke Vögel (Stand Dienstag) gemeldet. In den meisten Fällen handelt es sich um Blaumeisen, vereinzelt sind auch Kohlmeisen oder andere kleine Singvögel wie Sperlinge oder Finken betroffen. Nach Angaben von Nabu ist die Krankheit in ganz Deutschland verbreitet, mit Schwerpunkten entlang der unteren Mosel in Rheinland-Pfalz sowie in der Umgebung von Oldenburg in Niedersachsen. Auch ist die Grenze von Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen stark betroffen.

Auch AVES-Ostkantone macht auf die Problematik aufmerksam, denn auch bei uns sind erste Verdachtsfälle gemeldet worden. Entsprechende Beobachtungen gingen aus Born und Kettenis ein. In Born wurde eine tote Blaumeise gefunden und von AVES-Ostkantone zur Untersuchung an die Uni Lüttich weitergeleitet. Tatsächlich bittet die tierärztliche Fakultät der Universität Lüttich darum, tote Tiere zwecks weiterer Analysen einzusenden. Wichtig ist, das tote Tier nur mit Handschuhen anzufassen, in einer Plastiktüte einzupacken und unter Angabe des Fundortes sowie der eigenen Angaben (Name, Adresse) an folgende Adresse zu senden: Service Faune sauvage Dpt. des Maladies Infectieuses et Parasitaires, Bât. B43a, Quartier Vallée 2, avenue de Cureghem, 6 Faculté de Médecine Vétérinaire Université de Liège, 4000 Liège. Das Porto zahlt der Empfänger. Eine andere Möglichkeit ist, das tote Tier zur Forstverwaltung zu bringen, die dann alles weitere veranlassen wird. Die Untersuchung des Kadavers ist allerdings nur möglich, wenn das Tier frisch tot gefunden wird, sollte es nicht möglich sein, es sofort nach Lüttich zu bringen, sollte es zwischenzeitlich eingefroren werden. So war die Untersuchung der in Born gefundenen Blaumeise nicht mehr möglich, da die zur Untersuchung aufschlussreichen Organe bereits verwest waren.

Nach Rücksprache, die wir mit der Uni Lüttich führten, ist die Ausbreitung der Krankheit in Belgien nahezu unbekannt. Es fehlt an Angaben, es gibt zwar einige Regionen, wo die Krankheit stärker verbreitet scheint, das ist aber abhängig von der Aufmerksamkeit, die der Problematik entgegengebracht wird. Die Einbeziehung und Information der Bevölkerung ist unumgänglich.

AVES-Ostkantone und die Universität Lüttich bittet darum, die Funde zu melden bzw. für weitere Untersuchungen zur Verfügung zu stellen. Damit soll der weitere Verlauf der Krankheit beobachtet werden. Einem erkrankten Tier, das durch den beschriebenen Zustand auffällt, ist in der Regel nicht mehr zu helfen.

„Soziale Distanz“ auch in der Tierwelt wirksames Mittel

Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass die Krankheit sich nicht weiter verbreitet. Wie auch beim Menschen ist die wichtigste Methode dabei die „soziale Distanz“.

Diese lässt sich bei den Vögeln erreichen, indem Vogeltränken und Futterstellen sofort entfernt werden und frühestens nach drei oder vier Wochen wieder in Betrieb genommen werden, damit sich nicht noch mehr Tiere dort anstecken. Naturgemäß wird die Krankheit besonders dort übertragen, wo viele Tiere aufeinandertreffen, das heißt an Fütterungsstellen.

Weitere Informationen zum Thema (leider nur in Französisch) finden Sie unter http://www.faunesauvage.be/faune-sauvage/

Petra Förster und Gerhard Reuter, gekürzte aktualisierte Fassung (Grenz-Echo vom 22/04/2020)

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