Und wieder ein gefährlicher Virus für die Tierwelt

Erinnern wir uns 2013 wurden auch in Ostbelgien eine Reihe toter Feuersalamander gefunden. Sie waren einer mysteriösen Pilzkrankheit zum Opfer gefallen, der den Bestand in Holland bereits ausgerottet hat.
Und wieder lässt ein Appel der Universität Lüttich uns aufhorchen. Diesmal betrifft es eine virale Erkrankung von Singvögeln. Hauptverursacher ist der Usutu-Virus, der erstmalig in unserer näheren Umgebung 2012 bei einem Gimpel und Buntspecht in der Lütticher Gegend nachgewiesen wurde.
Der aus Afrika stammende Virus wird durch Mücken übertragen, die die Vögel anfallen. Zu Ausbrüchen mit Usutu-Viren kam es im letzten Jahrzehnt in Österreich, Ungarn, Schweiz, Italien und Spanien. Ausbrüche von tropischen Viren in anderen Weltregionen zeigen, dass wir vor tropischen Infektionen nicht verschont bleiben. Mitursächlich dürften auch der Klimawandel sowie der internationale Personen- und Warenverkehr sein. In Nordamerika sorgte 1999 eine per Flugzeug von Israel nach New York importierte infizierte Stechmücke für einen Ausbruch des mit den Usutu-Viren verwandten West-Nil-Virus, der sich in drei Jahren über ganz Nordamerika ausgebreitet hatte. Auf welchem Weg Usutu-Viren nach Mitteleuropa und jetzt in den Lüttich-Limburger Raum gelangten ist nicht geklärt.
Symptome
Von Usutu-Viren betroffene Vögel zeigen entzündliche Veränderungen von Nervensystem, Leber, Milz und Herzmuskel sowie auffällige Verhaltensänderungen wie Apathie und fehlendes Fluchtverhalten, torkelnd-schwankende Bewegungen und ein zerzaustes Gefieder.

Bei früheren Ausbrüchen in Europa waren neben Amseln auch andere Vogelarten betroffen, u. a. Eulen, Rabenvögel und deutlich seltener kleine Singvögel. Wieviele Vögel Opfer eines Virenausbruches werden, ist nur schwer abzuschätzen, da die meisten toten Vögel nicht beobachtet bzw. gefunden werden. Daher liegen kaum genaue Daten zur Art und Zahl infizierter und gestorbener Vögel vor und die Auswirkungen der Infektion auf die Biodiversität können nur schwer beurteilt werden. Örtlich bzw. regional führen Usutu-Viren zu drastischen Bestandseinbrüchen bei Amseln, von denen sich manche Teilpopulationen oft jahrelang nicht erholen. In Wien hat man infolge des Usutu-Ausbruches Bestandsrückgänge im Winter und zur Brutzeit zwischen 58 und 94 Prozent festgestellt.

Bisherige Ausbrüche verliefen über mehrere Jahre, wobei die Zahl betroffener Vögel nach einer ersten Spitze deutlich abnahm und in wenigen Jahren eine zunehmende Immunität der Vögel gegenüber den Viren feststellbar war.

Ein generelles oder regionales Aussterben der Amseln ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu befürchten. Dennoch durchlaufen die Populationen derzeit einen ausgeprägten Bestandstiefstand, aus dem sie sich erst langsam unter anderem durch Zuwanderung aus Usutu-freien Nachbarregionen und Ausbildung einer Immunität gegenüber dem Erreger erholen werden.

Auswirkungen auf den Menschen

Steckmücken übertragen mit ihren Stichen Usutu-Viren auch auf Menschen. Bislang liegen nur wenige Berichte von schweren Verläufen vor, bei denen meistens ältere oder immungeschwächte Patienten betroffen waren. Infektionen gehen mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Hautausschlägen und im schlimmsten Fall mit Gehirn- und Leberentzündungen einher. Schutzimpfungen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Empfehlenswert ist, sich vor Mückenstichen zu schützen durch geschlossene Kleidung, das Auftragen von Abwehrstoffen, die Verwendung eines Moskitonetzes. Unbedingt zu beachten ist der umsichtige Umgang mit lebenden und toten Wildvögeln (Kontakte meiden, Handschuhe tragen, Hände waschen und desinfizieren).
Erneutes Erscheinen des Virus 2016 - Aufruf
Fakt ist, dass Ende August/Anfang September wieder in der Provinz Limburg zahlreiche Amseln tot aufgefunden wurden. Untersuchungen der Universität Lüttich bestätigen den für Vögel gefährlichen Virusbefall.
Sollten Sie tote Vögel, ohne äußerliche Verletzungen auffallen, können Sie sich gerne bei uns oder direkt bei der Universität Lüttich melden. Die Kadaver werden aufgenommen und zwecks Autopsie zum Veterinär-medizinische Institut übermittelt. Die Forscher sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.
Text: Gerhard Reuter nach einer Mitteilung von Prof. Daniel Desmet, Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Lüttich. GSM: 0475/821 155



Zur Übersicht