AVES-Ostkantone VoG
Naturkundliche Weiterbildung & Aktiver Naturschutz
in Ostbelgien

Stellungnahmen der AVES-Ostkantone
zum RAVEL - Radwandernetz

Seit geraumer Zeit engagiert sich unsere Organisation zum Erhalt des Rurtals und insbesondere des Erhalts der Braunkehlchenbestände.

Hier können Sie einen kleinen Werdegang unserer Interventionen nachlesen.

!!! Der Antrag zur Ausnahmeregelung zur Durchquerung der sensiblen Bereiche des Rurtals wurde abgelehnt.!!!
Zur Pressemitteilung - 28. Mai 2010

 



Eine ökologisch wertvolle Landschaft: das Rurtal (Foto: Gerhard Reuter)

06.11.2008

Problem
RAVEL - Neuerschliessungen

Sicherlich ist die Ausweitung des RAVEL - Radwandernetzes eine positive Sache. Allerdings müssen die Planungen auch Belange des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigen. Das ist die Forderung, die von Umweltschutzverbänden, dem Naturpark Hohes-Venn-Eifel und der Forstverwaltung an die Verantwortlichen geht. Besondere Prüfungen sind notwendig, wenn neue Trassen erschlossen werden, die durch sensible Bereiche führen, Brücken in Bachtälern neu errichtet werden sollen und dadurch noch ungestörte Bereiche mit seltenen Brutvögeln in Mitleidenschaft gezogen werden.

Text: Gerhard Reuter

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Nahezu 15 Brutpaare des Braunkehlchen sind unmittelbar vom RAVeL-Projekt betroffen
(Foto: Gerhard Reuter)




Ornithologisch von größtem Wert: Habitat des Neuntöters
(Foto: AVES-Archiv)



Die von den Naturschützern vorgeschlagene Alternativroute führt durch den Wald
(Zeichnung: AVES-Ostkantone)



Der Standpunkt der Naturschutzvereinigungen wurden der Presse bei einer Ortsbesichtigung nahegelegt.
(Foto: Roger Herman)






21.06.2009

RAVeL-Projekt: NEIN zur Streckenführung durch das Rurtal!

Die Dachvereinigung der Naturschutzvereinigungen Ostbelgiens "Zwischen Weser und Our" widersetzt sich energisch gegen der geplanten Streckenführung des neuen RAVeL-Parcours im Rurtal, zwischen Kalterherberg und Sourbrodt.

Grund: der Schutz eines ökologisch wertvollen und sehr empfindlichen Lebensraumes, für den symbolhaft ein seltener Singvogel steht, das Braunkehlchen, eine europaweit stark bedrohte Art. Das Braunkehlchen findet hier seinen Brutraum. Sein Erhalt und sein Schutz im Rurtal sollten den Politikern und Behörden als Herausforderung gelten: Sie können im Kampf gegen den weltweiten Rückgang der Artenvielfalt ein konkretes Zeichen setzen.

Die Vereinigung "Zwischen Weser und Our" sagt "JA" zum Prinzip des RAVeL-Projektes, aber "NEIN" zur im Rurtal geplanten Streckenführung.

Zur dieser Thematik hatte AVES-Ostkantone am 28. Mai 2009 verschiedene Naturschutzorganisationen, Symphatisanten und auch Experten nach Worriken eingeladen. Im folgenden Beitrag findet der Leser die von den Naturschützern angeführten Argumente.

Eine RAVeL-Strecke wegen einiger kleiner Vögel verlegen?

Eine Verlegung der RAVeL-Strecke wegen einiger Brutpaare des Braunkehlchens zu fordern erscheint auf den ersten Blick lächerlich.

Würde die Strecke tatsächlich wie geplant durch das Rurtal führen, wie sähe es dann um den lokalen Beitrag gegen den weltweiten Rückgang der Biodiversität aus? Der Erhalt der Artenvielfalt weltweit und regional ist ein Ziel, das sich ALLE (auch die politischen Parteien) gesetzt haben, und die UNO an der Spitze! Wo blieben da also die ostbelgischen Aktionen? Wie sähe der hiesige Beitrag zum großen weltweiten Kampf gegen das Artensterben aus? Wie stünde es mit der Umsetzung der Theorie in die Praxis? Wären all das nur leere Worte!

Es handelt sich hier nicht um irgendeine Vogelart! Das Braunkehlchen ist ein seltener Brutvogel in Belgien, ja in ganz Europa, und allerorts ist sein Rückgang stark! Es handelt sich um eine Art, für die Europa besondere Schutzmaßnahmen fordert und deren letzte produktive Rückzugsgebiete (Belgien) sich gerade eben im Rurtal (und dem angrenzenden Truppenübungsplatz von Elsenborn) befinden.

Symbolhaft steht das Braunkehlchen für artenreiche Öd- und Feuchtflächen: andere Arten, mit denen das Braunkehlchen den Lebensraum teilt, wie der Raubwürger, der Neuntöter, das Schwarzkehlchen, sind gleichfalls bedroht.

Es handelt sich um eine Art, deren Schutz direkt auch dem Fortbestand der Lebensgemeinschaft innerhalb der offenen Zonen zugute kommt. Diese brauchen einen hohen Grad an Abgeschiedenheit - verbunden mit einem Minimum an Eingriffen und Störungen durch den Menschen.

Eine kleine Anstrengung für ein großes Beispiel

Genau genommen, fordern die Naturschutzvereinigungen Ostbelgiens nichts Großes: wir verlangen keine Aufhebung des Projektes und keine zusätzlichen finanziellen Mittel, keine große Veränderung in der Wegeführung, nur einen kleinen und zugleich ein wenig steileren Umweg durch den Wald (zwischen Küchelscheid und Sourbrodt), auf Wegen, die bereits bestehen, bestens unterhalten und befahrbar sind, was die Investitionskosten natürlich erheblich vermindert.

Wir stellen nicht die Zweckmäßigkeit des RAVeL in Frage, im Gegenteil! Wir fordern lediglich eine kleine Anstrengung seitens der Promotoren und seitens der künftigen Nutzer.

Eine kleine Anstrengung, um ein großes Beispiel zu geben: Naturschutz unter all seinen Aspekten.

Dieses Thema haben sich alle offiziellen und politischen Instanzen gerade auch im Vorfeld der Wahlen ins Programm geschrieben: Hier bietet sich eine gute Gelegenheit die Worte auch in die Tat umzusetzen!

Sollten sich die Entscheidungsträger zugunsten des Naturschutzes entscheiden, was für ein Vorzeigebeispiel für die Zukunft! Wenn nicht, was für ein klägliches Zeugnis, das die Glaubwürdigkeit unserer Politiker stark in Frage stellen würde.

Eine exemplarische und erzieherische Aktion

Hier bietet sich die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu erklären, warum man die oben erwähnte Anstrengung in Kauf nehmen sollte, um dem Verschwinden einer seltenen Vogelart entgegen zu treten und im Schutz einer wertvollen Lebensgemeinschaft wichtige Akzente zu setzen.

Tatsächlich bietet sich hier die Gelegenheit zur Sensibilisierung zum Naturschutz und dem Erhalt der Biodiversität. Ein Beispiel, das Schule machen könnte! Eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass der Erhalt unserer Natur und Umwelt nicht leere Parolen und Wahlslogans sind, sondern konkrete Taten fordern!

Seinen Lebensstil zu ändern erfordert konkrete Anstrengungen!

Man fordert die Bürger auf, zum Erhalt unseres Planeten mit kleinen täglichen Aktionen beizutragen, zum Beispiel durch die Nutzung des Fahrrads anstelle des Autos. Das Fahrrad seinerseits muss auch "sauber" sein, damit es sich nicht indirekt negativ auf die Natur auswirkt. Ein RAVeL-Netz, durch die Begriffe "sanfter Tourismus" und "Nachhaltigkeit" geprägt, würde seine Seele verlieren, wenn es zur Beeinträchtigung der Natur beitragen würde!

Hinweistafeln und didaktische Tafeln könnten auf die Notwendigkeit der Umleitung hinweisen.

Eine kohärente Aktion

Eine Umgehung der sensiblen Zone des Rurtal zu akzeptieren, legt Zeugnis einer kohärenten Politik ab. Einerseits stecken Europa und die öffentlichen Behörden große finanzielle Mittel in das NATURA 2000 Netzwerk, in die Renaturierung von Tälern (Interreg-Projekte), in die Schaffung von Naturschutzgebieten (Staatliche oder anerkannte Schutzgebiete), u.a.

Andererseits würden die gleichen Instanzen Projekte finanzieren, die das Statut dieser geschützten Bereiche verletzen und den wertvollsten und seltensten Arten der Avifauna Europas, der Wallonie und Ostbelgiens nachhaltig großen Schaden zufügen würden.

Man kann nicht mit einer Hand zurücknehmen, was die andere gibt!

Würde eine Umgehung des Rurtal akzeptiert, könnte unsere Region als Paradebeispiel einer zusammenhängenden Politik innerhalb Europas gelten. Wenn nicht, wenn die irreparablen Schäden zugelassen werden, rückt dies Ostbelgien - mit seinem Markenzeichen des sanften Tourismus im nachhaltigen Einklang mit der Natur - europaweit in negatives Licht!

Eine schwer zu akzeptierende Ausnahme?

"Zu starke Steigungen der RAVeL-Strecke sind Sünden gegen die hochheiligen Gebote und Normen der RAVeL-Idee!", argumentieren die Promotoren und Projektautoren.

In der Tat wird der Abschnitt durch eine Verlegung in den Wald für die Benutzer schwieriger, aber wie bereits oben erwähnt, können sie über die Notwendigkeit zum Erhalt der Natur informiert und überzeugt werden.

Tatsächlich gibt es in allen Bereichen Normen und Regeln, die in den meisten Fällen berechtigt sind. Aber genauso gibt es für jede Regel Ausnahmen, die sich rechtfertigen lassen.

Wie oft gibt es nicht in Fällen von Sektorenplänen, Städtebauplänen und Schutzzonen (Naturschutzgebiete oder andere) Ausnahmeregelungen? Wie viele Ausnahmeregelungen werden nicht aus wirtschaftlichen, sozialen oder touristischen Gründen erteilt?

Warum schlagen diese Ausnahmeregeln immer in eine Richtung? Warum können sie nicht auch einmal zugunsten des Naturschutzes gelten?

Die Forderung des Naturschutzes ungerechtfertigt?

Viele möchten sicher feststellen, dass die Abgeschiedenheit der Rur bereits seit früheren Zeiten nicht mehr gewährleistet ist, fuhren doch hier einstmals Züge der ehemaligen Vennbahn und rollen doch heute Draisinen für Touristen auf den Bahngleisen. Und dennoch brüten die Braunkehlchen noch immer hier.

Daraus könnte geschlussfolgert werden, Naturschützer befänden sich im Irrtum und führten einen nicht gerechtfertigten Kampf. Dieses Argument hält jedoch nicht stand: es fuhren lediglich einige Züge in der Woche, die nur wenige Minuten brauchten um die sensible Zone zu durchqueren. Es sind nicht diese vorübergehenden und vor allem stets gleichbleibenden Störungen, die die Vögel am Brüten hindern!

Die Nutzung von Draisinen konzentriert sich auf die Ferienmonate Juli und August, sprich auf einen Zeitraum, wo die meisten Bruten beendet sind. Die Fahrten sind auch sehr begrenzt, einmal in die eine und einmal in die andere Richtung. Und die Touristen verlassen dabei nicht ihre Fahrzeuge.

Der RAVeL hingegen wird ständig, ganzjährig, Tag und Nacht genutzt werden. Auch von Personen, die aus unbekannten Motiven heraus, von ihren Fahrrädern steigen und rücksichtslos den Weg verlassen, um durch die Natur zu streifen (zum Beispiel im Moment der Narzissenblüte) oder gar zum Picknicken.

Ferner wird die geplante Streckenführung des RAVeL mit der Schaffung eines Weges außerhalb der alten Bahntrassenführung unweigerlich insbesondere die Brutplätze des Braunkehlchens vernichten, die sich in unmittelbarer Nähe des Bahndamms befinden, und ihren gewohnten Brutraum stark verändern. Das hätte fatale Folgen, denn gerade Braunkelchen reagieren stark auf Veränderungen ihres Lebensraumes!

Schlussfolgerung:

Die Umgehung des sensiblen Bereiches des Rurtal zu akzeptieren heißt:

  • eine seltene Vogelart schützen, die eines der wichtigsten Brutgebiete im Rurtal hat und symbolhaft für den Erhalt anderer, in offenen und feuchten Gebieten vorkommenden Arten steht;

  • den Beweis zu erbringen, dass das Bewusstsein des Biodiversitätsrückgangs besteht und den Worten auch konkrete Taten folgen, dies im Sinne des weltweiten Anliegens des Erhalts der Biodiversität auf der Erde;

  • konkret die außergewöhnlichen ökologischen Werte des Rurtales hervorzuheben und sie in all ihren Aspekten zu erhalten;

  • die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zukünftigen Generationen eine intakte Natur in all ihren Facetten und ihren Besonderheiten zu hinterlassen. Dieses Anliegen darf nicht aufs Spiel gesetzt werden und erfordert Anstrengungen;

  • Geld einzusparen und auf bestehende intakte Infrastrukturen zurückzugreifen.

Wir bitten die Promotoren und Projektautoren des RAVeL um eine Ausnahmeregelung bezüglich der erlaubten Ansteigung der Strecke und die künftigen Nutzer des Weges, diese Steigung und den längeren Streckenverlauf zugunsten des Naturschutzes in Kauf zu nehmen.

Text: Gerhard Reuter

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24.09.2009

RAVeL-Projekt im Rurtal? Was gibt's Neues?

Seit der Intervention der Naturschützer gegen das RAVeL-Projekt im hochsensiblen Rurtal hat sich in der Sommerpause recht wenig getan. Alle angeschriebenen Instanzen haben uns eine Empfangsbestätigung zukommen lassen mit dem Versprechen, alle Möglichkeiten zu überprüfen. Das ist typisch und will nichts heißen!
Der ehemalige Tourismusminister Bernd Gentges hat zu seiner ausgehenden Amtszeit die Forstverwaltung und die Gemeinde aufgesucht, um Alternativen zu besprechen, bei der definitiven Entscheidung wird jedoch seine Nachfolgerin, Gemeinschaftsministerin Isabelle Weykmans, zuständig sein.
Die Entscheidungsträger basieren sich auf Normen, die aufgrund von in Amerika durchgeführten Sondierungen bei Radfahrern auch für Europa (und Belgien) erstellt wurden und denen sich die Verantwortlichen verpflichtet fühlen. Aber wie schrieben wir bereits: "Eine kleine Anstrengung für ein großes Beispiel" - zugunsten der arg bedrohten Braunkehlchen-Bestände in Belgien!

Als zusätzliches Argument sei Folgendes hinzugefügt. Im offiziellen Text, der der Erneuerung des Europäischen Diploms des Naturschutzes im Hohen Venn beiliegt (aus dem Jahre 2001), heißt es unter der Empfehlung 2: (…) mit Bestimmtheit Erweiterungspläne des Einzugsgebietes durchzusetzen, sowie Puffer- sowie Transitionszonen und Korridore zwischen den einzelnen Elementen des Naturschutzgebietes einzubeziehen. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf die wichtigsten Bereiche zu richten, zumindest die Zone des Zusammenflusses der Kleinen und Großen Rur. (…)

Naturschützerische Maßnahmen haben während der letzten Jahre diese wichtige Forderung erfüllt. Sie unterstreicht die Wichtigkeit, die die Europäischen Instanzen dem Gebiet einräumen. Man muss bemerken, dass die europäischen Empfehlungen tatsächlich einer Verpflichtung entsprechen. Deren Missachtung kann zum Entzug des Diploms führen, vergleichbare Fälle hat es schon gegeben, so dass auch für das Naturschutzgebiet "Hohes Venn" berechtigte Befürchtungen angebracht sind. Meine Damen und Herren Politiker - möchten Sie dies auf Ihre Kappe nehmen?

Text: Gerhard Reuter

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Und noch einmal stellen wir das Braunkehlchen in den Mittelpunkt unserer Überlegungen.
(Foto: Gerhard Reuter)



Wie soll man den neuen Kraftstoff nennen "Biodiesel" oder "Agrardiesel"?
( Foto: AVES-Archiv)




Die grüne Lunge der Erde, der tropische Regenwald wird zerstört.
(Foto: AVES-Archiv)


Keine Chance für die Biodiversität (Foto: Gerhard Reuter)


14.01.2010

Zur Thematik der RAVel-Strecke im Rurtal

Die Bestände des Braunkehlchens sind in Belgien weiterhin rückläufig! Na und…?
Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war das Braunkehlchen auch in Belgien weit verbreitet. Als typischer Wiesenvogel kam es im ganzen Land vor. Seine Lebensraumansprüche sind in der Tat nicht übertrieben. Wiesen aller Art mit einzelnen Stauden, die als Sitzwarte genutzt werden, ein reiches Insektenvorkommen und einzelne Brachflächen zum Brüten, wo es nicht ausgemäht wird, genügten seinen Ansprüchen. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren seine Brutvorkommen jedoch bereits auf einzelne Rückzugsgebiete geschrumpft. Heute müssen wir feststellen, dass selbst hier nur noch ganz vereinzelte Brutpaare überleben und der Rückgang der Art vorprogrammiert ist.

Da Politiker sich jedoch nicht um alles und schon gar nicht um jede einzelne Vogelart kümmern können, sollten wir alle uns mal die Frage stellen, ob unser Land das Braunkehlchen braucht, und Belgien seine hohen sozialen Standards ohne diesen Vogel plötzlich nicht mehr finanzieren kann. Auf Anhieb würde man mit einem klaren Nein antworten, es sei denn, hinter diesem Verschwinden einer einzelnen Art würde sich etwas Bedrohlicheres verstecken.

Tatsache ist nämlich, dass die Bestände des Braunkehlchens rückläufig sind, weil sein Lebensraum innerhalb weniger Jahrzehnte zerstört wurde. Und damit verschwinden nicht nur das Braunkehlchen, sondern Hunderte anderer Pflanzen- und Tierarten, die auf magere Wiesen angewiesen sind.

Wie konnte es so weit kommen?

In Belgien gibt es hierfür zwei Hauptgründe: die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zersiedlung der Landschaft. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat viele Gesichter und zeichnet sich durch eine industrialisierte Denkweise aus, und nicht durch eine ökologische: Pestizideinsatz, Düngung und Überdüngung, Mangel an Strukturelementen in der Landschaft, Intensivierung der Fleischproduktion mit Anbau und Import von Kraftfutter statt der Nutzung des eigenen Grünlandes mit angepassten Nutztierrassen, u.v.m. Dass wir heute Fleisch produzieren, indem wir massiv auf Sojaimporte, z.B. aus Südamerika, zurückgreifen, anstatt unser Dauergrünland nachhaltig besser zu nutzen, hat nicht nur dem Braunkehlchen geschadet, sondern darüber hinaus in Südamerika Tausende Quadratkilometer Regenwald zerstört und viele soziale Ungerechtigkeiten bei der dortigen Landbevölkerung verursacht.

Doch die Landwirtschaft ist nicht allein schuld an der Zerstörung und Banalisierung unserer Landschaft. Die Zersiedlung und besonders der Straßen- und Wegebau haben ebenfalls ihren Tribut gefordert. Immer mehr Straßen und Wege, egal ob Umgehungsstraßen (Der "Fall N62") oder Autobahnverbreiterungen, verschlingen unsere Landschaft und haben immer mehr Verkehr zur Folge. Mehr Verkehr bedeutet mehr Kraftstoffverbrauch und lässt immer gelbere Landschaften entstehen: Rapsfelder sollen sogenanntes Biodiesel liefern, um unseren unersättlichen Hunger nach Mobilität zu stillen. Dieser intensive Anbau wiederum zerstört den Lebensraum des Braunkehlchens. Und da unsere Produktion an Agrardiesel, wie er wohl besser genannt werden sollte, nicht genügt, importieren wir Palmöl aus Südostasien und Ethanol aus Brasilien. Neben dem Braunkehlchen sterben damit Tausende anderer Arten in den gerodeten tropischen Regenwäldern aus und es wird gleichzeitig wieder soziales Elend verursacht. Aber das alles ist ja weit weg!

Das Aussterben des Braunkehlchens ist also offensichtlich nur die Spitze des Eisberges. Die Biodiversitätskrise ist seit dem Welt-Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro als ein zentrales Problem des 21. Jahrhunderts erkannt. In dem damals verabschiedeten Übereinkommen über die Biologische Vielfalt wird Vielfalt als eine wesentliche Eigenschaft der Natur aufgefasst, die nicht nur im Hinblick auf direkte Nutzbarkeit, sondern auch an sich wertvoll ist. "Dabei sind 60% der Ökosysteme degradiert oder werden nicht nachhaltig genutzt. 1000 bis 10000 Mal mehr Arten sterben aus, als es durch natürliche Vorgänge geschehen würde. Weltweit sind rund 11000 Tier- und Pflanzenarten stark gefährdet oder von der Ausrottung bedroht."

Dennoch ist das Problembewusstsein bisher kaum in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen, und die meisten, inklusive unsere Politiker, stellen sich noch nicht die Frage, ob wir das Braunkehlchen brauchen. Die eigentliche Frage lautet aber: Braucht der Mensch eine hohe Biodiversität?

Wir sind in vielfältiger Weise direkt und indirekt von einer hohen Biodiversität abhängig. Nur stabile Ökosysteme mit hoher Biodiversität garantieren unbezahlbare indirekte Leistungen wie sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden, geringe Erosion, Bestäubung unserer Kulturpflanzen oder natürliche Schädlingsbekämpfung in der Land- und Forstwirtschaft. Technische Ersatzlösungen in diesen Bereichen würden nach Errechnung von Ökonomen weltweit jährlich 33000 Milliarden US-Dollar kosten.

Die Forst- und die Landwirtschaft, der Fischfang aber auch der Tourismus sind direkt von einer hohen Biodiversität abhängig. Aber auch unsere Medikamente gehen zu einem erheblichen Teil auf Pflanzen zurück. Zudem sind die weltweit erfassten über 300000 Pflanzenarten ein fast unerschöpfliches Reservoir für die weitere Forschung im Dienste der Menschheit. Eine zentrale Rolle werden neben der Rohstoffgewinnung die menschliche Ernährung und der Anbau unter veränderten klimatischen Bedingungen spielen. Von den über 10000 essbaren Arten werden zurzeit nur knapp 200 Arten genutzt, während nur drei Arten (Reis, Mais, Weizen) als Grundnahrungsmittel 60% unserer Energiezufuhr weltweit garantieren. Mit jeder Art, die verschwindet, verliert die Menschheit unwiderruflich einen Teil ihres zukünftigen Potentials.

Nun ist es offensichtlich die Aufgabe der Umweltminister, Lösungen für diese Krise auszuarbeiten und in die Tat umzusetzen. Lösungsvorschläge wurden im Rahmen einer nationalen Strategie Belgiens zum Erhalt der Biodiversität 2006-2016 erarbeitet und am 26. Oktober 2009 von den zuständigen Ministern unterzeichnet. Dieser Aktionsplan verfolgt insgesamt 15 übergeordnete Ziele. Informationen gibt es im Internet unter der folgenden Adresse: https://portal.health.fgov.be/portal/page?_pageid=56,10478500&_dad=portal&_schema=PORTAL.

Bei allen guten Ansätzen und Vorsätzen, muss man leider feststellen, dass es sich doch oft um Flickwerk oder Notaktionen handelt. Globalen Problemen wie dem Biodiversitätsverlust muss man mit globalen Veränderungen begegnen. Der Klimawandel zeigt klar, dass bei weltweiten Umweltproblemen Notaktionen völlig unangebracht sind. Wir sollten den Biodiversitätsverlust und den Klimawandel auch als Chance begreifen, unsere Gesellschaft endlich ökologisch umzubauen.

Erste Anfänge sind gemacht. Für den Naturschutz gibt es in der Landwirtschaft bereits jetzt einen goldenen Standard: den Biologische Landbau, der jedoch in Belgien immer noch stiefmütterlich behandelt wird. In Verbindung mit Fair-Trade-Initiativen ist er eine echte Alternative zur Agro-Industrie! An uns Verbrauchern liegt es schlussendlich, ob wir Naturschutz als Nischendasein oder eine nachhaltige Nutzung unserer Erde weltweit wollen. Dabei kommen wir nicht umhin, unsere Konsumgesellschaft selbst in Frage zu stellen. Wir haben hier mindestens eine genau so hohe Verantwortung wie die Landwirte!

Damit sind wir zurück bei unserer Frage, ob Belgien das Braunkehlchen braucht, um zu überleben. Die Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten, weil dieses kleine Braunkelchen uns zeigt, zu welch großer Dummheit wir Menschen fähig sind. Wir brauchen alle eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen. Und dabei geht es eben nicht darum, die Wirtschaft oder unser soziales System gegen den Umwelt- und Naturschutz auszuspielen. Wir brauchen für eine nachhaltige Entwicklung auf dieser Welt auch einen Platz für das Braunkehlchen in unserer Kulturlandschaft.

Text: Gerhard Reuter

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01.03.2010

AVES-Ostkantone verstärkt in Untersuchungen aktiv

Ende November 2009 traten das Wallonische Landwirtschaftsministerium und NATAGORA an uns heran, um die Möglichkeiten einer Realisierung eines Projektes zum Schutz des Braunkehlchens zu prüfen, dessen Population in Ostbelgien im Vergleich zum Landesinneren stellenweise noch gesund ist oder zumindest durch angepasste Agrar-Umweltmaßnahmen verbessert werden könnte. Das setzt die Zusammenarbeit mit den Landwirten voraus. In der Tat, in einigen Bereichen wird auch die Landwirtschaft zum Erhalt des stark rückläufigen Singvogels in die Verantwortung genommen. Das Projekt zielt darauf ab, die genauen Brutplätze des Braunkehlchens zu ergründen und im Anschluss mit dem im Umfeld agierenden Landwirt Kontakt aufzunehmen. Agrar-Umweltmaßnahmen sollen für optimale Bedingungen für die Ausbreitung der Brutbestände sogen und Prämien das Entgegenkommen der Landwirte belohnen.
Ein ungemein wichtiges Projekt, eine Chance für unsere Braunkehlchen. AVES-Ostkantone ist seitens der Wallonischen Region mit der Durchführung des Projektes beauftragt worden.

Text: Gerhard Reuter

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Nach wie vor halten die Promotoren am geplanten RAVeL - Projekt im Rurtal fest.
(Foto: Gerhard Reuter)



Gemeinsam sprachen sich die ostbelgischen Naturschutzvereinigungen für den Erhalt des sensiblen Bereiches entlang der geplanten Trasse aus
(Foto: Gerhard Reuter)


01.03.2010

Der Kampf um den Erhalt des Rurtals ist noch lange nicht gewonnen!

Auch nach unserer Intervention gegen das geplante RAVeL-Projekt im Rurtal zwischen Leykaul und Sourbrodt und nachdem auch der Wallonische Oberste Naturschutzrat die Meinungen der ostbelgischen Naturschutzvereinigungen teilt, ist die Bedrohung dieses einmaligen Tales nicht beseitigt. Nach wie vor halten die Promotoren an ihrem Projekt fest. . Die Genehmigungsprozeduren sind angelaufen, die Zeit drängt, wollen doch die Initiatoren in den Genuss von europäischen Fördergeldern gelangen, deren Zusicherung an Fristen gebunden ist.

Die ostbelgischen Naturschutzvereinigungen, von dieser Entwicklung der Dinge beunruhigt, riefen am 18. Februar 2010 zu einem Treffen auf. Die Verantwortlichen brachten den derzeitigen Stand nochmals auf den Punkt und bekräftigten ihre Forderungen. Zusätzliche Strategien zur Unterstreichung unserer Argumente wurden erörtert und in die Wege geleitet.

Am 18. März 2010 fand im Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen eine Unterredung mit Frau Ministerin Isabelle Weykmans statt.

Text: Gerhard Reuter

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09.04.2010

Naturschützer kämpfen weiter
Nein – Zum RAVeL Projekt im Rurtal

Die ostbelgischen Naturschutzvereinigungen setzen ihren Kampf um das Rurtal fort. Zwischenzeitlich hat
auch eine Unterredung mit Frau Ministerin Isabelle Weykmans stattgefunden.

Weshalb das Rurtal eine so wichtige Rolle für den Erhalt der Biodiversität in Ostbelgien spielt, welche
Argumente wir gegen das Projekt anführen, darüber informiert die von uns zusammengestellte Broschüre, die
Sie, lieber Besucher dieser Internetseite hier einsehen können.

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