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Dass Rabenvögel von Mitte bis Ende Mai an Fensterscheiben
herumpicken, auch den Kitt herauslösen ist keine Seltenheit.
Dies tun andere Vogelarten, zum Beispiel Blau- und Kohlmeisen
auch. Es handelt sich dabei um ein Ereignis, dass sich bald wieder
einstellt.
Problematischer ist es allerdings, wenn hierdurch schwere Schäden
entstehen, für die keine Versicherung aufkommt. So in Deidenberg
geschehen. An Fenstern, Autos entstanden hier angeblich durch zwei
einzelne Rabenkrähen (laut Schilderung eines Anwohners) schwere
Schäden.
Eine Ortsbesichtigung am Montag, den 31. Mai 2010 ergab, dass sich
in unmittelbarer Nähe des Geschehens ein Horstbaum befindet,
wo ein Brutpaar seine Jungvögel großgezogen hat. Bei
der Annäherung am Horstbaum stellte sich heraus, dass die Alttiere
in keinster Weise beunruhigt waren, sämtliche Alarmzeichen
blieben aus. Überhaupt scheinen die Tiere sich an nichts und
niemanden zu stören. Das ist ungewöhnlich.
Die Frage nach der Ursache dieses Verhaltens ist schwer zu ergründen.
AVES-Ostkantone kann hier nur über bisher gemachte Erfahrungen
berichten. Zum einen könnte es sich hier um reine "Spielereien"
handeln.
Wenn Vögel an Gummileisten oder anderem elastischem Material
herumziehen können, so scheint dass sie zu amüsieren.
Andererseits können die Isolationsmaterialien auch Bitterstoffe
enthalten, auf die es die Vögel abgesehen haben.
Eine andere Erklärung ist, dass sich die Tiere in glänzenden
Scheiben, oder polierten Flächen spiegeln. Hier erkennen sie
einen anderen Artgenossen, den sie durch Schnabelhiebe provozieren
möchten.
Eine andere Erklärung könnte in der Tatsache liegen,
dass die hochintelligenten Altvögel, gerade auch in der Brutzeit
durch ein auffallendes Verhalten versuchen die Aufmerksamkeit weg
vom Nest zu ziehen. Eine Art Schutzverhalten also.
Nicht ganz zu verwerfen könnte auch eine These sein, nachdem
es sich bei mindestens einem der Altvögel um aus der Gefangenschaft
entkommene Vögel handeln könnte. Diese, an Menschen gewöhnt
suchen immer wieder dessen Nähe und versuchen mit den unmöglichsten
Verhaltensweisen auf sich aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt auch
mit dem Hintergedanken Nahrung zu erhalten.
AVES-Ostkantone verweist mit Nachdruck daraufhin, dass ein derartiges
Verhalten zwar nicht normal ist, dass aber keine "Hetzkampagne"
gegen die Rabenvögel gestartet werden soll. Wir befinden uns
nicht im Hitchcock Film "Die Vögel". Rabenvögel
erfüllen eine wichtige Aufgabe im Haushalt der Natur. Der Gesetzgeber
kann eine Ausnahmeregelung zur sogenannten "Vernichtung"
von Rabenvögeln zulassen, denn Rabenvögel stehen nach
bitterer Verfolgung durch den Menschen unter Schutz.
Es wird oft behauptet, Rabenvögel - vor allem Elstern - seien
zu einer Plage geworden. Aus wissenschaftlicher Sicht bestehen aber
keine Anhaltspunkte für eine generelle, weiträumige Zunahme
der Elstern oder anderer Rabenvögel. Nur regionale Zu- aber
auch Abnahmen der Bestände von Rabenkrähe und Elster
sind bekannt. In Ostbelgischen Gebieten, wo Greifvögel wie
der Uhu oder der Wanderfalke als natürliche Feinde
in Frage kommen, wird es sogar rund um die Rabenvögel ruhig.
Der Gesamtbestand in Mitteleuropa ist seit vielen Jahren konstant.
Die Ergebnisse des Brutvogelatlas, welcher in diesem Jahr erscheinen
wird und sich auf Erhebungen zwischen 2001 und 2005 beruft, lassen
keinerlei Bestandzunahmen im Vergleich zu 1973 zu. Der Bestand ist
konstant - auch in Ostbelgien.
Wie aus der heutigen Ausgabe des Grenz-Echo (09. Juni 2010)
zu entnehmen ist, sollen nunmehr 30 Tiere in der näheren Umgebung
mittels Sondergenehmigung der Wallonischen Region erlegt werden.
AVES-Ostkantone stellt sich die Frage, warum 30 Tiere, wo die Urheber
der Schäden doch laut Anwohner doch lediglich zwei Tiere sein
sollen? Das ist die Frage, die man sich stellen kann. Unsicher auch,
ob sich unter den 30 getöteten Tiere gerade die Problemtiere
befinden.
Text: Gerhard Reuter
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