AVES-Ostkantone VoG
Naturkundliche Weiterbildung & Aktiver Naturschutz
in Ostbelgien

  Jakobsgreiskraut
Achtung giftig!
 



Blütendetail des Jakobsgreiskrauts (Foto: Gerhard Reuter)


Blütenstand des Jakobsgreiskrauts (Foto: Gerhard Reuter)

Raupe des Jakobskraut- oder Blutbären (Foto: Gerhard Reuter)

Falter des auf das Jakobsgreiskraut spezialisierten Nachtfalters (Foto: AVES-Archiv)

Das Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea L.) auch als Jakobskreuzkraut bekannt, ist eine heimische Pflanze aus der großen Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr Vorkommen erstreckt sich über ganz Europa. Sie bevorzugt Wegeränder, Gebüsche und vorzugsweise trockene Wiesen, vor allem aber Ödlandbereiche und Brachen. Sie ist also keine typische Pflanze unserer Fettweiden. Inwieweit der Klimawandel hier ein eventuelles Einwandern in diese Bereiche begünstigt hat, bleibt zu prüfen. Oder ist es die intensive Beweidung von ehemaligen Ödländereien, die zu dieser Problematik geführt hat?

Die zweijährige Pflanze hat einen, im oberen Teil verzweigten 30 bis 120 cm hohen, im unteren Bereich meist rot überlaufenen, hohen Stängel, kahle, tief gefiederte und gelappte Blätter mit gezähnten Lappen. Gelbe, in lockerer und abgeflachter Doldentraube angeordnete Blütenköpfchen. Blütezeit : Juni - September.

Zungen- und Röhrenblüten sind goldgelb, in Köpfchen. Blätter des Hüllkelches lanzettlich. Außenhülle kurz, aus 1-4 Blättchen bestehend. Randständige Früchte kahl. Früchte der Röhrenblüten mit dichtem Haarkranz, daher der Name "Greiskraut".

Die Problematik liegt in der Giftigkeit der Pflanze. Sie enthält Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die durch Stoffwechselvorgänge zu toxischen Produkten werden, die zuerst das Lebergewebe zerstören. Die Giftstoffe bewirken eine irreversible Schädigung der Leberzellen. Schon durch geringe Mengen über einen längeren Zeitraum erfolgt eine chronische Vergiftung. Die toxischen Stoffe (PA) sind krebserregend und schädigen das Erbgut (DNA).

Bei einer später gestellten Diagnose "Vergiftung durch Jakobsgreiskraut" gibt es kaum Hoffnung auf Heilung (bleibende innere Schäden).

In der Beweidung werden die älteren Pflanzen in der Regel vom Vieh gemieden, Jungpflanzen jedoch nicht. Sie enthalten in den ersten 6-7 Wochen keine bitteren Stoffe, wohl aber schon Giftstoffe. In Heu oder Silage, in denen das Kraut enthalten ist, verlieren sich die fraßhemmenden Eigenschaften, die Giftstoffe jedoch bleiben!

Fatal ist, dass viele Symptome bei einer Erkrankung nicht direkt auf Jakobsgreiskraut zurückgeführt werden, da die Aufnahme Wochen bis Monate zurück liegen kann.

Was für die einen tödlich-giftig ist, kann für den anderen lebenswichtig sein. So ist ein Nachtfalter, der Jakobskraut- oder Blutbär (Thyria jacobaea L.), wie schon sein Name verrät, ganz auf diese heimische Pflanze angewiesen. Seine Raupe ist auf das Jakobsgreiskraut als Futterpflanze angewiesen. Die Raupen dieses auch bei Tage flatternden Nachtfalters sind gegen die toxischen Stoffe der Pflanze immun. Im Gegenteil, die Aufnahme der Giftstoffe ist ihnen ein wirksamer Schutz gegen Freßfeinde. Hoch oben am Jakobskreuzkraut sitzend, stechen sie sie durch ihre schwarz gelbe Färbung sofort ins Auge. So auffällig kann nur eine Warntracht sein!

Aufgrund schlechter Erfahrungen weiß jeder Vogel, dass diese Raupe abscheulich schmeckt. Man nennt dieses Täuschungsmanöver Mimikry: auffallen und den Appetit verderben. Die Raupe nimmt über ihre Nahrung Giftstoffe der Futterpflanze auf und signalisiert das ihren Freßfeinden mit einer im Insektenbereich weit verbreiteten Musterbildung. Je mehr giftige oder wehrhafte Insekten das gleiche Muster zeigen, desto nachhaltiger ist der Lerneffekt bei den Feinden.

Beim Blutbären ist es die Wespenzeichnung der Raupe. Eine zweite Mimikry ist die Warnfarbe Rot und Blauschwarz des Falters. Die Raupen verpuppen sich in einem lockeren Gespinst am Boden, wo die Puppe überwintert.

Ungeachtet der in machen Bereichen sicherlich nicht von der Hand zu weisenden Problematik sollte auch der ökologische Aspekt hier bedacht werden. In Naturschutzbereichen sollte die von den Landwirtschaftskammern und Verbänden empfohlene Bekämpfung der Pflanze nicht in einer überzogenen Form Anwendung finden, ausgenommen, wo Weidevieh in den Schutzzonen zum Einsatz kommt, dies zu Gunsten und zur Erhaltung einer stark bedrohten Falterart. Jahrhunderte lang hat es seltsamerweise auf diesem Gebiet offensichtlich keine Problematik gegeben.

Bisher war die Wirkung des Giftes anscheinend nicht wahrgenommen worden. In kaum einem Fachbuch für Pferde wird Jakobskreuzkraut als Giftpflanze erwähnt. In vielen Regionen ist ein explosionsartiges Ausbreiten der Pflanze zu verzeichnen. Dennoch wird die Gefährlichkeit unterschätzt oder einfach ignoriert - so die Landwirtschaftskammern in der BRD. Sie empfehlen als Vorbeugemaßnahme eine mechanische Bekämpfung d.h. nachhaltige Weidepflege als beste Voraussetzung für eine Jakobskrautfreie Weide. So ist das komplette manuelle Entfernen der Pflanzen (ausgraben, ausstechen) am sinnvollsten. Hierbei sollte die Wurzel der Pflanze möglichst tief mit ausgerissen werden. Verbleibt die Wurzel länger als 1 cm, treibt die Pflanze erneut aus. Blühendes oder samentragendes Kraut sollte nicht auf dem Mist oder Kompost entsorgt werden. Es muss verbrannt oder im Restmüll entsorgt werden.

Weitere wichtige Informationen unter www.jacobskreuzkraut.de
Quelle: Naturnah lesen, M. Schnichels
Text bearbeitet: Rudolf Schlesinger

 
 


 




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