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Das Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea L.) auch als Jakobskreuzkraut
bekannt, ist eine heimische Pflanze aus der großen Familie
der Korbblütler (Asteraceae). Ihr Vorkommen erstreckt
sich über ganz Europa. Sie bevorzugt Wegeränder, Gebüsche
und vorzugsweise trockene Wiesen, vor allem aber Ödlandbereiche
und Brachen. Sie ist also keine typische Pflanze unserer Fettweiden.
Inwieweit der Klimawandel hier ein eventuelles Einwandern in diese
Bereiche begünstigt hat, bleibt zu prüfen. Oder ist es
die intensive Beweidung von ehemaligen Ödländereien, die
zu dieser Problematik geführt hat?
Die zweijährige Pflanze hat einen, im oberen Teil verzweigten
30 bis 120 cm hohen, im unteren Bereich meist rot überlaufenen,
hohen Stängel, kahle, tief gefiederte und gelappte Blätter
mit gezähnten Lappen. Gelbe, in lockerer und abgeflachter Doldentraube
angeordnete Blütenköpfchen. Blütezeit : Juni - September.
Zungen- und Röhrenblüten sind goldgelb, in Köpfchen.
Blätter des Hüllkelches lanzettlich. Außenhülle
kurz, aus 1-4 Blättchen bestehend. Randständige Früchte
kahl. Früchte der Röhrenblüten mit dichtem Haarkranz,
daher der Name "Greiskraut".
Die Problematik liegt in der Giftigkeit der Pflanze. Sie enthält
Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die durch Stoffwechselvorgänge
zu toxischen Produkten werden, die zuerst das Lebergewebe zerstören.
Die Giftstoffe bewirken eine irreversible Schädigung der Leberzellen.
Schon durch geringe Mengen über einen längeren Zeitraum
erfolgt eine chronische Vergiftung. Die toxischen Stoffe (PA) sind
krebserregend und schädigen das Erbgut (DNA).
Bei einer später gestellten Diagnose "Vergiftung durch
Jakobsgreiskraut" gibt es kaum Hoffnung auf Heilung (bleibende
innere Schäden).
In der Beweidung werden die älteren Pflanzen in der Regel
vom Vieh gemieden, Jungpflanzen jedoch nicht. Sie enthalten in den
ersten 6-7 Wochen keine bitteren Stoffe, wohl aber schon Giftstoffe.
In Heu oder Silage, in denen das Kraut enthalten ist, verlieren
sich die fraßhemmenden Eigenschaften, die Giftstoffe jedoch
bleiben!
Fatal ist, dass viele Symptome bei einer Erkrankung nicht direkt
auf Jakobsgreiskraut zurückgeführt werden, da die Aufnahme
Wochen bis Monate zurück liegen kann.
Was für die einen tödlich-giftig ist, kann für den
anderen lebenswichtig sein. So ist ein Nachtfalter, der Jakobskraut-
oder Blutbär (Thyria jacobaea L.), wie schon sein Name
verrät, ganz auf diese heimische Pflanze angewiesen. Seine
Raupe ist auf das Jakobsgreiskraut als Futterpflanze angewiesen.
Die Raupen dieses auch bei Tage flatternden Nachtfalters sind gegen
die toxischen Stoffe der Pflanze immun. Im Gegenteil, die Aufnahme
der Giftstoffe ist ihnen ein wirksamer Schutz gegen Freßfeinde.
Hoch oben am Jakobskreuzkraut sitzend, stechen sie sie durch ihre
schwarz gelbe Färbung sofort ins Auge. So auffällig kann
nur eine Warntracht sein!
Aufgrund schlechter Erfahrungen weiß jeder Vogel, dass diese
Raupe abscheulich schmeckt. Man nennt dieses Täuschungsmanöver
Mimikry: auffallen und den Appetit verderben. Die Raupe nimmt über
ihre Nahrung Giftstoffe der Futterpflanze auf und signalisiert das
ihren Freßfeinden mit einer im Insektenbereich weit verbreiteten
Musterbildung. Je mehr giftige oder wehrhafte Insekten das gleiche
Muster zeigen, desto nachhaltiger ist der Lerneffekt bei den Feinden.
Beim Blutbären ist es die Wespenzeichnung der Raupe. Eine
zweite Mimikry ist die Warnfarbe Rot und Blauschwarz des Falters.
Die Raupen verpuppen sich in einem lockeren Gespinst am Boden, wo
die Puppe überwintert.
Ungeachtet der in machen Bereichen sicherlich nicht von der Hand
zu weisenden Problematik sollte auch der ökologische Aspekt
hier bedacht werden. In Naturschutzbereichen sollte die von den
Landwirtschaftskammern und Verbänden empfohlene Bekämpfung
der Pflanze nicht in einer überzogenen Form Anwendung finden,
ausgenommen, wo Weidevieh in den Schutzzonen zum Einsatz kommt,
dies zu Gunsten und zur Erhaltung einer stark bedrohten Falterart.
Jahrhunderte lang hat es seltsamerweise auf diesem Gebiet offensichtlich
keine Problematik gegeben.
Bisher war die Wirkung des Giftes anscheinend nicht wahrgenommen
worden. In kaum einem Fachbuch für Pferde wird Jakobskreuzkraut
als Giftpflanze erwähnt. In vielen Regionen ist ein explosionsartiges
Ausbreiten der Pflanze zu verzeichnen. Dennoch wird die Gefährlichkeit
unterschätzt oder einfach ignoriert - so die Landwirtschaftskammern
in der BRD. Sie empfehlen als Vorbeugemaßnahme eine mechanische
Bekämpfung d.h. nachhaltige Weidepflege als beste Voraussetzung
für eine Jakobskrautfreie Weide. So ist das komplette manuelle
Entfernen der Pflanzen (ausgraben, ausstechen) am sinnvollsten.
Hierbei sollte die Wurzel der Pflanze möglichst tief mit ausgerissen
werden. Verbleibt die Wurzel länger als 1 cm, treibt die Pflanze
erneut aus. Blühendes oder samentragendes Kraut sollte nicht
auf dem Mist oder Kompost entsorgt werden. Es muss verbrannt oder
im Restmüll entsorgt werden.
Weitere wichtige Informationen unter www.jacobskreuzkraut.de
Quelle: Naturnah lesen, M. Schnichels
Text bearbeitet: Rudolf Schlesinger
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