AVES-Ostkantone VoG
Naturkundliche Weiterbildung & Aktiver Naturschutz
in Ostbelgien

 

Heute stellen wir Euch das Grüne Heupferd vor. (Foto: Gerhard Reuter)



Bevorzugter Lebensraum: Kraut- und Strauchreiche Landschaften. (Foto: Gerhard Reuter
)



Die "Ohren" sitzen in den Knien der Vorderbeine - Komisches Tier, oder? (Foto: Gerhard Reuter)



Das Tier wird bis zu 4 cm groß (Foto: Gerhard Reuter)

Das grüne Heupferd (Tettigonia viridissima)

Einführung und Verbreitung


Das grüne Heupferd ist in ganz Europa verbreitet. Mit Ausnahme der Gebirge (z.B. Alpen) oder zu kalter Regionen (auch Ostbelgien) ist es überall zu finden. Dass das Grüne Heupferd in den letzten Jahren vermehrt auch in unserer Gegend vorkommt, führen Experten auf den Klimawandel zurück.

Es besiedelt typischerweise Waldränder, Grünflächen und sonnige, verbuschte nicht genutzte Flächen.

Das grüne Heupferd ist ein Kulturfolger und besonders auch an Rändern von Dörfern und Städten anzutreffen.

Körperbau

Das grüne Heupferd ist durchgehend grün gefärbt und besitzt am Rücken eine längliche hellbraune Zeichnung. Mit 30 - 40 mm Körperlänge gehört es zu den größten europäischen Heuschreckenarten. Die Fühler können zusätzlich ca. 50 mm Länge erreichen. Die Mundwerkzeuge sind gut ausprägt und sehr kräftig.

Die Flügel sind voll entwickelt, hellgrün-durchsichtig und reichen bis über den Hinterleib hinaus. Es ist sehr gut flugfähig (einige hundert Meter) und kann dadurch neue Lebensräume schnell besiedeln. Die Weibchen besitzen einen langen Legebohrer, der über die Flügelenden hinausragt. Wie bei allen Insekten weisen auch Heuschrecken die typische Körperaufteilung in Kopf, Brust und Hinterleib auf.

Sie besitzen 2 Flügelpaare und 3 Beinpaare. Die hinteren Beine sind zu mächtigen Sprungbeinen umgewandelt.

Das singende (zirpende) Männchen sitzt, meist kopfüber, gut getarnt auf höheren Pflanzen. Der Gesang (in den frühen Abendstunden beginnend) ist ein hohes Schwirren und soll die Weibchen anlocken. An kühlen und verregneten Tagen bleibt der Gesang ganz aus.

Am Knie des Vorderbeines sitzen die Hörorgane des Grünen Heupferdes, die nur durch kleine Schlitze zu erkennen sind. Es können so sehr feine Geräusche wahrgenommen werden, was auch für die Paarung von großer Wichtigkeit ist. Zudem besitzen Heuschrecken ein Erschütterungsorgan und können kleinste Erschütterungen bereits aus vielen Metern Entfernung wahrnehmen.

Nach kalten Nächten sonnen sich die Tiere gern in der Morgensonne. Dabei drehen sie ihren Körper in Richtung der Sonne, bis sie genug Wärme aufgenommen haben, um bewegungsfähig zu sein.

Ernährung und Verhalten

Sowohl als Larve wie auch als erwachsenes Tier ernährt sich das Heupferd vorwiegend räuberisch. Kleinere Insekten, Raupen und auch kranke Artgenossen stehen auf dem Speiseplan der erwachsenen Tiere. Die kleinen Larven ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen. Daneben werden auch hin und wieder weiche Pflanzenteile von Kräutern vertilgt. Das grüne Heupferd ist also kein Schädling der Landwirtschaft, als der es häufig angesehen wird. Kleine Beutetiere werden im Sprung ergriffen und sofort mit den kräftigen Kiefern zerbissen.

Die Männchen besetzen Reviere und verteidigen sie auch aggressiv gegen andere Männchen.

Sie sind vom Nachmittag bis in die Nacht aktiv. Dabei suchen sie Singwarten, von denen sie bis 100 m weit zu hören sind.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Weibchen werden durch den Gesang der Männchen angelockt. Die Begattung dauert fast eine Stunde, mit einem lang andauernden Vorspiel. Es findet nur eine Paarung statt. Die Eiablage (ca. 150-300 Eier) erfolgt in den feuchten, lockeren Boden (meist Grünland) hinein. Die Entwicklung der Eier kann einige Jahre dauern, wobei sie eine Austrocknung in den Sommermonaten überstehen können.

Feinde

In der Häutungsphase werden die Heupferde leicht von Ameisen überwältigt, zerlegt und in den Bau getragen. In den ersten Larvenphasen stellen auch netzbauende Spinnen eine Gefahr dar. Für insektenfressende Vögel und Fledermäuse stellen sie auch eine ideale Beute dar. Während der ersten Larvenphasen in der Krautschicht sind es auch Kleinsäuger, die dem grünen Heupferd nachstellen.

Text und Fotos: Gerhard Reuter

 
   




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