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Bienen - Tiere voller Überraschungen
Meli, die Honigbiene weiß uns viel zu erzählen.
Unser Haus ist eine Honigfabrik. Die Wohnung, in der wir leben
(die Menschen nennen sie Bienenstock), besteht aus Waben, die wir
selbst aus Wachs herstellen.
Wilde Bienen bauen ihren Bienenstock in hohlen Ästen
und Bäumen. Wir Honigbienen leben jedoch in Kästen, die
der Imker für uns aufgestellt hat. Ich bin überzeugt,
dass ein Imker in deiner Nähe dir gerne etwas mehr über
seine Arbeit mit uns Bienen erzählen wird. Melde dich mal bei
ihm!
Wir Bienen sind eine große Familie. Das Familienoberhaupt
ist die Königin, die die Eier legt. Wir, die Arbeiterinnen,
haben immer etwas zu tun: uns zum Beispiel um die Eier oder die
jungen Maden (so heißen die Bienenbabys) kümmern, neue
Waben bauen, unser Haus bewachen oder Pollen, Nektar oder Wasser
sammeln. Und da gibt es noch die Drohnen: das sind die männlichen
Bienen.
Hier siehst du, wie aus einem Ei eine Biene wird. Das passiert
in den Brutwaben, wie unsere Kinderzimmer genannt werden.
Zu unserem Wohlbefinden haben wir einen Menschen nötig, den
Imker. Unser Imker beschäftigt sich mit uns, und immer, wenn
es nötig ist, steht er uns hilfreich zur Seite, sei es im Fall
von Krankheit, wenn wir unsere Wohnung vergrößern wollen
oder in vielen anderen Fällen.
Dafür schenken wir ihm Honig, Pollen, Wachs und Propolis.
Für den Honig fliegen wir von Blume zu Blume und saugen den
süßen Nektar aus den Blüten. Den verwandeln wir
in unserem Magen dann in Honig. Nun geht es zurück zum Stock
und wir spucken dort den Honig in eine Wabe. Wenn alle Waben voll
sind, kann der Imker den Honig ernten.
Um Honig zu machen, müssen wir wahnsinnig fleißig sein.
Für ein Kilo sind mehrere Millionen Blütenbesuche nötig.
Natürlich schaffe ich das nicht alleine, sondern nur zusammen
mit dem ganzen Bienenstaat. So nennt man die Gemeinschaft aller
Bienen, die in einem Stock wohnen. Ein Staat mit 60.000 Bienen liefert
dem Imker etwa 7 bis 10 Kilo Honig im Jahr. Ganz schön viel
- oder was meinst du?
Weißt du eigentlich, wozu wir den Honig brauchen? Er ist
unser Wintervorrat, den wir im Frühjahr und Sommer in den Waben
einlagern, weil es in der kalten Jahreszeit ja keine Blumenblüten
mit Pollen und Nektar gibt. Andere Bienen sind auf der Suche nach
Blattläusen. Sie geben uns ein süßes Produkt,
aus dem wir Bienen Honig machen können, den Honigtau, woraus
sie dann Blatthonig machen.
Und jetzt fragst du dich sicherlich, wovon wir im Winter leben,
wenn der Imker den Honig geerntet hat? Das ist ganz einfach beantwortet,
denn erstens erntet unser Imker nicht den ganzen Honig und zweitens
gibt er uns Zuckerwasser zum Einlagern, das mindestens genauso gut
schmeckt und für uns Bienen auch viel besser verdaulich ist.
Eine Biene hat viele Berufe:
Als junge Arbeiterin verbringe ich die ersten drei Tage meines Lebens
mit dem Reinigen der Brutzellen, bis zu meinem 10. Lebenstag kümmere
ich mich um meine kleinen Geschwister, die Larven.
Dann helfe ich beim Bau neuer Waben und vom 16. Lebenstag an nehme
ich den ankommenden Sammlerinnen den von ihnen eingesammelten Nektar
und die Pollen ab und verarbeite sie zu Vorräten.
Um den 20. Lebenstag herum halte ich mich als Wächterbiene
am Eingang zu unserem Stock auf und passe auf, dass keine Feinde
in unsere Behausung eindringen.
Nun wird es spannend - die nächsten drei Wochen verbringe
ich mit Probeflügen und bereite mich auf die Sammelflüge
vor, die ich dann bis zu meinem letzten Lebenstag machen werde.
Du siehst, wir Bienen sind ganz schön vielseitig! Oder was
meinst Du?
Zu unserem Stachel: wir Bienen stechen wirklich nur ganz, ganz
selten, denn wir wissen, dass wir sterben, sobald wir einen Menschen
gestochen haben. Also machen wir dies nur in absoluter Not.
Damit dies nicht passiert (zum Beispiel im Schwimmbad oder beim
Spielen im Garten), gibt es ein paar ganz einfache Regeln, die du
dir sicher gut merken kannst:
Schlage nicht nach mir !
Mach keine raschen Bewegungen !
Halte dich nicht vor dem Flugloch auf !
Schlage oder klopfe nicht an den Bienenkasten oder Stock !
Streichle mich bitte nicht !
Tritt nicht auf mich !
Du siehst, vor mir und meinen Schwestern brauchst du wirklich keine
Angst zu haben.
Aber wir machen nicht nur Honig...
Wenn wir so von Blüte zu Blüte fliegen, passiert etwas
Wichtiges mit den Pflanzen: wir bestäuben sie!
Und so erfüllen wir eine besondere Aufgabe im Kreislauf der
Natur. Denn ohne Bestäubung würde es viel, viel weniger
Obst geben!
Übrigens! Danke an Helmut Habsch aus Rocherath, einem der
Imker, bei dem AVES-Ostkantone sich umsehen und die Fotos von uns
machen durfte.
Text und Fotos: Gerhard Reuter
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